Lyric
durchdringung des absoluten (2007-2011)
durchdringung des absoluten
aus winzig spalt erdmassner sohl
aus einem enge loche hohl
brach mein leib und trug sich fort
fern verschwand er
doch ich blieb dort.
wie jeh hügel wie forst sich finden
gleichwie flächen das land erringen
inmitten der fernsten verdichtungen
von allerkleinstem leben.
hellung strich getuschten streif
lange gräser pinsel stiele
erzählen einverleibten ausruf
wo unerhörte einigkeit.
flüsternd vom weiher schweben
im puls des weihers bebend
der reichen taue rinnsäle
so zaghaft formen sich fort
der kühle gebrechliche pfad
im hohlweg dort lummert
das nebenlicht des mondes
unkenntlichkeit im hain
auf dem saume der moose urig schicht verwächst
feuchte an starr stammes rinde weitflächiglich
an noch saftig stiel gedeihen mistelfrüchtelein
glockengleich am unerreichbar nahsten greise.
so furchtbar furchen an dem stamme
der friedlich an dem grabe wacht und
dessen wurzeln gleich nassen stichen
es tief in meinen sarg geschafft.
ein toller schlag der gottesritter
golden krönt des wipfels schwingen
das prächtige leben von eben.
wie er sich biegt vor schmerz und leid
als er erwacht knackt und stöhnt
und borke platzt und splittert laut
und er schreit den schall des lebens
tief ins erdreich mit walzender peitsche.
in lichtung des matten mondes reif
einsam von feurig astlaub beschattet
dort sich an einer schiefen eiche stamm
verkohltes fleisch tief im endgang befand.
das tänzelnde schwarze laub knieht schwach
in wirkung der winde wunder
ein später mut und doch ich vergeb
dem erloschnen scheiterhaufen zunder.
in meiner erscheinung aura verwebt
zorn durchwegs den leib hinfort bewegt
fäden die umstricken und lenken
solche die als wir währten dichter gewebt
mit jeder unarten seide fleischesrot.
ich gast in alter fassung weiß
aus später einsicht rat
wahres hoffen sei einzig
den geistern vergeben.
gewahr wird welch wirrende gewalt
der ich wie erhofft erlegen
die wachsam sich versteht die lebensfäden
von wesen wie mir zu bewegen
so sorgfältig
daß schon bald wir geeint
zu ruhe treten
ein wundersamer wunsch
der sich wird erfüllen.
so taub die stimme sinnestrunken
entmachtet versprühe leidensfunken
der wahrnehmung grenze am sprengen
der engel blass flügel versengen.
so gegenwärtig des himmels pracht
wo tausende todesfeuer sind entfacht
die gedanken wollen nicht rasten.
dem satan manche lobgelieder
oh sog du der kehle trocken
singt mein geist und lässt sich locken
vom blut der tiere fressgefieber:
"so hoch der flure weites feld
wie funkelnd grell des himmels zelt
so zartes rufen auch der tiere
fressen beutesfetzen gierig.
so finster noch die graue nacht
wie klamm die luft im rachen schwebt
so farbenfinster des mondes macht
behütet die scheissende nachtigall.
so weiß der nebliche hauch der götzen
sich in meiner erscheinung verirrt.
so beruhigend der glühwürmchen korona
an manchen gräbern tanzen.
so behutsam die mauern wurden gesetzt
auf ein auf ein
mit allerlei verbunden gesetzt
auf ein"
nur kurz ruhe ich schon entzwien
an einem steine seltsam schrift
diesorts der meine singsang balde
auf aufmerksamkeit trifft.
ein alter wohl entsetzt fährt empor
stößt die sohle auf verharrt in positur
ein drohender geistesblitz war seiner kräfte trieb
umwindet der grabplatten siegel und siegt.
um diesen stümprig behuften
der "endlich" gellt lang
um diesen glücklichsten tor
gestalten sich vergessne schweife
die sich in kürzesten schritten versammeln
ein dunststoffner umhang
aus dem mit bebenden worten klang
denn "noch niemand habe befolgt meine rufen".
die totenruhe zerrt an der nebelsdecke
die grauen schwaden zu dünnen schleifen
hinfort auf der toten grund ducken sie sich
verflachen mit ergeben windendem hauchen
die zeit scheint sich nicht zu beachten.
niemand zuvor nur ich habe erkannt
daß unter tage jener sonderlicher geist sich befand
der zur sterbensstunde göttliches verstand
und gab mir dank und teilt sich mit
erneut klagt er an die stille zeit
die er lag des liegens krank ihr leid
doch solle man nicht seines schicksaales mehr wähnen
da in ihm universelles bewusstsein geschaffen sei
und vergießt mir liebkosend durch dampfende tränen
ein teil seiner saftigen weisheiten fülle
ich kostete und alsbald mein hülle auch ich
träg innesank.
wie ich in gedankenbildern schwebe
als würde die urkraft des daseins walten
begreifen die sinne nur unverbundenheit.
sinnlos nehme ich wahr die welt
kahl und kalt zeigt sie sich mir
obacht der strahlenden firnis die sich zerbrach.
jede der scherben reflektionen eigenartiges schillern
offenbaren als mögliche visionen
die lebensfarben deren verschiedenartige kombinationen
dem kosmos wie einem opale innewohnnen
und mir einst das leben gaben.
so leer die plätze voller wunder
nichts gilt mehr alles scheint möglich
wahrheit bleicht durch zerstobene schichtungen der täuschung.
mir war nicht viel
mehr mit mir.
nur solche die tagein sich zu verstummten begeben
die den frieden suchenden
die kommen
suchen nicht.
er spricht
ich erbrach
hörte ihn wohl
aber galts (auch) nicht mir:
"erde legte sich so nahe
atem fehlte in dieser bahre -
flur nur flur die male tragen
erde schmiegt sich an so balde
atem der versiegt im walde -
oh wie eng das kalte fleisch sich hat
oh wie eng das kalte fleisch sich hat!"
er vergaß sich beim reden
überschlug worte spie speichel
erschrak vor sich stumm
ertrank und ließ ab von dem leben
"welch welt" rief ich dem schwindenden geiste nach
die nacht ging mit --- ich noch im schlaf
finde mich liegen in einem menschen kreise
gefeiert wird der verstorbenen ende reise.
faltige hände umschlingen die stühle
stemmen herzverrutscht entgegen die lehnen
bei des morgends kühlem frischenhauch atem:
ein belebungsversuch der geister von hier.
viele verdächtige tränen erscheinen
der morgentau nimmt ungehalten auf
die mäuler öffnen sich sporadisch
singen verhalten einger liedchen laut
preisen den tod gemäß bringen tribut
wie in kirche chor und abendmahl
verdauen angst mit dem herzen.
nebst der sohlen gräber patronen und mauern
kriecht schleichend die grüne maische
das heiligtum das wir früh einst betraten
jetzt der grabschände zornig nicht länger ruht.
welke prachtblätter fassen tiefen mut
fäulnis steigt hoch der faulenden kronen
wie leichenstädte in denen totgesagte fleddern.
bleiche körperkolonnen mimen wurzelgeäst
verschieben sich lavartig wie geschwüre
pressen eifrig scheisse seitwärts fliehende.
grelllichter und lautschreistöhnen der maschinen
geschissgestank durchdringt pollenzyklisch
durchdringt die mauern des schlafes.
als werkzeug des lebens der mensch sich am selbigen zu rächen
sich freut über die faule frucht der menschlichen erkenntnis
den trost den pfarrer selbstsicher gaben am sterbebett
widerstrebte tröstend zu wirken
den trost so weiß ich habt ihr im leben eben vom leben verzehret
es ist nichts mehr da für euch vom ganzen paradies
das scheiss gesindel hier darf jetzt zu beten beginnen
Nachtrag:
"Ihr liebt eure heiligen Eichen und umgebt sie liebevoll mit Hecken. Von den Götzen, die ihr dort verehrt, erwartet ihr neue Lebenskraft. Es wird eine bittere Enttäuschung für euch werden!"
-- Jesaja 1,29 (Die-Gute-Nachricht-Bibel)
...war nicht offensichtliche Quelle der Idee.
Von Hause aus ... zum Untergang (2011)
Von Hause aus ... zum Untergang
Vieles ist zu sagen
aber der Mensch wird beschäftigt
wie müßig ists da zu klagen!
- wird das Ungesagte bekräftigt?
Ein Wahn geht um in dieser Welt
denn niemandem fällt er auf
er, der sie umgibt
- spricht das Offensichtliche eine andere Sprache?
Das Dickicht erwacht
die kleinen Perlen tanzen
ein oft kopiertes Trauerspiel
dessen Meister mahnt
- aber welche Sprache spricht er?
Wo ist nun dieser Ort, sag es!
von dem die Menschen seltsam sprachen
welche Sprache es denn spricht
- welche Sprache es denn spricht?
Kindisch, ists doch nur ein leidliches Ratespiel
und sie gehen nach Hause.
Das Grauen geht um in dieser Welt
denn alles wird wie sie
und kein Stein bleibt auf dem anderen.
Das Gespür abhanden gekommen
zeigt es sich schon bald
es tat Kunde in der Frühe
dann kam es an.
Und nichts war wie zuvor:
vieles war zu sagen
aber der Mensch zu beschäftigt.
Wo ist nun dieser Ort, fragen sie,
von dem die Menschen seltsam sprachen
wieso sagt es denn nichts?
- wieso sagt es denn nichts?
Niemand hat diesen Ort noch gefunden
und schon bald wußten sie bereits nicht mehr
wonach sie suchen sollten:
denn alles war ihnen gleich
--
es ist aber mehr als ein Wahn
von dem ich spreche
denn sie sind schlicht geisteskrank
und gehören eingesperrt!
Sperrt sie hier ein,
sie werden ihm nicht entkommen.
Oh, jetzt wird gedroschen, wie schön!
Macht Platz für den Untergang, macht Platz!
denn jetzt wird gedroschen.
Bald! Sie sind hin. Wie schön!
Über die Kunst (2007)
Über die Kunst
Entweiche!, schrieb die bleiche Klinge
und verbarg beschämt ihre Dyslexie.
Lebensgeist!, flutete der Rebsaft
den herrlichsten Herbstpicasso,
den der kniehende Tod je gesehen hat.
Zu mir mit ihm!, stieß der Teufel aus,
aber der Tod sah erst sich unfreiwillig schämend und schwieg sinnierend dann,
solange die Lebenskunst ihn mit der Sinnlosigkeit bannte, die ihn vereinnahmte,
gebahr er die ihm fremde Ewigkeit in jenem ihm fremden Hause, erstarrte vor Ehrfurcht,
als gleiche die alternde Schöpfung einem Wunder.--
Nur bald darauf holte er seine Kinder,
er mit ihr, sie mit ihm,
heim.
Ein köstlicher Blick (2006)
Ein köstlicher Blick
Zu mir sang das Leben,
wohl wissend um seine Grausamkeit,
gleichsam in mir erstarrten alle Gräuel,
blickte ich zu ihr mit Feuer,
und wenn es auch mir war Leid,
als die Sonne sich mir näherte,
da sang das Leben vor sich hin,
verlor sich kurz in tiefem Atem,
das ist die Heiterkeit!,
wohl wissend um ihre Grausamkeit,
schenkte sie nur ein Leidensblick,
als sie fiel mir zu Füßen,
und verschwand

